Kuba: Ein Erfahrungsbericht – Teil 2 Außenviertel von Havanna


Am Anfang unsere Reise verbrachten wir zwei volle Tage in Havanna.
Ich beschreibe jetzt erstmal nur den ersten Tag, da ich da schon so einiges zu erzählen habe.. ;)

Tag 1

Den ersten Tag hatten wir noch kein Programm und nutzten die Zeit selber als kleinere Gruppe vom Hotel aus los zu spazieren. Unser einziges festes Ziel war es zum Meer zu kommen.

Unser Hotel lag etwa 10km vom historischen Stadtkern entfernt im Stadtteil Playa.
Playa war früher das Reichenviertel Havannas und das merkt man noch heute am Baustil. Zweigeschossige Einfamilienhäuser, blütenreiche Vorgärten, eingezäunte Gelände bewacht von Hunden. Viele Häuser wurden richtig rausgeputzt, viele anderen sind mitten in der Renovierung.
Es waren nicht viele Menschen auf den Straßen unterwegs. Die meisten Autofahrer hupten und winkten uns zu. Sie fanden diese Truppe an bleichen Touristen, bewaffnet mit Kameras, wohl recht amüsant. :)

Wir gingen eine Straße entlang und plötzlich entdeckte einer von uns eine winzig kleine Attraktion.
Ein Kolibri-Weibchen bebrütete ihr Nest. Die beste Möglichkeit einen Kolibri scharf zu fotografieren. Sie sind so schnell, wüsste man es nicht besser könnte man meinen es sind Insekten. ;)

Nach einer längeren Fotosession unterquerten wir eine der Hauptverkehrsadern Havannas und gingen durch einen Park in Richtung Wasser.

Erst zuhause am Bildschirm fiel mir auf, dass ich neben den hübschen Graffitis den Hinterkopf von José Martí aufgenommen habe. Der Dichter und Freiheitskämpfer ist der Nationalheld schlechthin. Die Verehrung ist schon echt unheimlich. Vor jeder schulischen Einrichtung steht eine Büste mit seinem Angesicht. Ein gutes Erkennungszeichen. So habe ich während der Busfahrt viele Schulen an den entlegensten Stellen und nur aus einem Gebäude bestehend wahrgenommen.
Wir gingen eine Zeit lang am Almendares entlang, einem 45km langen Fluss, der auch für die Wasserversorgung Havannas genutzt wird. Aus der Ferne recht beschaulich, aber wie so oft in Kuba: Schaut man genauer hin, sieht man das Übel.

Eigentlich kann man von einem Land, dass auf dem Papier ein Entwicklungland ist nicht den Umweltstandard wie in Deutschland verlangen. Aber ich war der Meinung, dass Kuba wegen der US-amerikanischen Wirtschaftsblockade Recycling und einen ressourcenschonenden Umgang mit der Umwelt betreiben würde. Wenn nicht aus „Liebe zur Natur“, dann doch weil es wirtschaftlich nicht drin ist mit seinen Ressourcen um sich zu werfen. So wird es immer in den staatlichen Medien propagiert. Da wurde ich auf der Reise leider oft enttäuscht: Viel Müll liegt einfach so in er Landschaft rum. Es gibt Abladeplätze, wie ich sie auch von Brachgeländen in Deutschland kenne. Öffentliche Mülleimer sind Mangelware. Es wird unglaublich viel Plastik in Form von Bechern und Tüten konsumiert. Getränke gibt es nur in Plastikflaschen oder Aluminiumdosen, ohne Pfand natürlich. Da wäre noch so viel möglich, aber ich denke, dass die Umsetzung einfach am Geld scheitern würde. Kuba ist de facto pleite. Der einzige rentable Wirtschaftszweig ist der Tourismus.

Und Touristen wollen natürlich die alten amerikanischen Straßenkreuzer sehen! :) Oh Mann, diese Überleitungen.. ;)
Wir hatten uns schon bei der Taxifahrt zum Hotel im Dunkeln über unseren ersten Oldtimer gefreut, aber tagsüber vom nahen sind die Teile noch viel beeindruckender!

Und je näher man kommt, desto mehr stinken sie nach Öl und bestehen aus übermalter Spachtelmasse, Beulen, Dellen und improvisierter Technik. Wenn sie denn überhaupt noch fahren! ;)
Erst seit Januar 2014 ist es für Privatpersonen erlaubt Neuwagen zu importieren. Kubaner waren angewiesen ihren Autobestand soweit es ging instand zu halten. Die letzten amerikanischen Autos wurden vor der Revolution 1959 eingeführt. Danach schafften es noch russische Modelle, vor allem Lada, aber auch einige Käfer- vermutlich aus Mexiko – auf die Insel. Und auch trotz der aufgehobenen Reglementierungen wird es wohl noch Jahrzehnte dauern bis die Oldtimer vom Straßenbild verschwinden werden: Ein importierter Wagen kostet in etwa das Dreifache des regulären Preises. Welcher Kubaner soll das bezahlen können?!

Und endlich, der erste Blick auf das Meer! Natürlich mit etwas kubanischer Propaganda.

cubasiWir gingen weiter an die für Havanna typische Steinküste, versetzt mit Bauschutt.

Und hier eine Prämiere: Meine erste Tonaufnahme in meinem Blog und das vom Atlantik! Man hört die Kinder, die auf dem zweiten Foto baden, im Hintergrund schreien. ;)

Es war am frühen Vormittag schon eine brütende Hitze und wir nutzen das kühle Nass für eine Erfrischung unsere Füße.
Bevor wir ohne genaues Ziel weiter zogen, stärkten wir uns noch einmal. Ich bin kein großer Süßkram-Trinker, aber das Flaschenwasser ist auch nicht so der Hit. Die Cola schmeckte auch echt gut. Unser Favorit war aber Pinita, eine Ananas-Brause, echt genial.

tukolaIn einer großen Runde durch ein paar andere Stadtteile ging es dann zurück zum Hotel.

Vorbei ging es unter anderem an einem Stadtteil-CDR. CDR bedeutet „Comités de Defensa de la Revolución“ übersetzt: Komites zur Verteidigung der Revolution“.
In den Anfangsjahren des sozialistischen Kuba gegründet um Saboteure und Terroristen aufzudecken (was auch wirklich geklappt hat), ist diese Nachbarschaftsorganisation heute das Auge und Ohr der Partei. Sie dient auch dazu weiterhin das Bewusstsein für die Revolution in jedem einzelnen wach zu halten.
Über 90% aller Kubaner ab 14 Jahren sind Mitglied. Man kann sich dieser Massenorganisation eigentlich nicht entziehen und wenn doch, ist man natürlich gleich verdächtig
Die CDRs vor Ort regeln heute vor allem einige Dinge im sozialen Bereich wie Impfkampagnen, Gesundheitsvorsorge und leiten Beschwerden weiter.
Während unsere Reise sind mir auch von den CDRs sehr viele aufgefallen, die landesweite Abdeckung beträgt hier deutlich über 100%..

Eins meiner persönlichen Favoriten:

Das Vorher-Nachher-Haus.  Die renovierten Seiten war zur belebten Straße gerichtet. Das andere sah man nur von der Seitenstraße aus. „¿A quién le importa?“ – Wen interessiert es?

Um 14h waren wir wieder am Hotel. Durchgeschwitzt und die Haut angebrannt.
Am Abend das erste – wirklich verdiente – kubanische Bier.

Ich finde der Ausflug auf eigene Faust hat viel Spaß gemacht und man hat auch mal andere Stadtteile von Havanna gesehen.
Vieles ist im Um- oder Aufbau und ich hatte nicht das Gefühl in einem sozialistischen Land unterwegs zu sein. Ich hatte vorher die Vorstellung, dass wir abseits der Touristenwege sofort von Soldaten oder Polizei kontrolliert werden. Nix war.
Die Einwohner waren freundlich bis gleichgültig. Die meisten wirkten oft etwas.. hmm.. gelangweilt oder eher.. wenig beschäftigt. Viele sitzen auch stundenlang am Fenster und beobachten die Gegend.

Nunja, das wars erst mal. Der nächste Bericht wird die geführte Tour von Havanna beinhalten, danach geht es weiter südlich.

 

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