Monochrome Farbstiche


Die Schwarzweißfotografie war für mich – wie für die meisten anderen – der Einstieg in die analoge Fotografie.
Vor mehr als zehn Jahren habe ich angefangen selber zu entwickeln. Habe sogar ein bisschen im elterlichen Keller mit einem Liesegang UNI RAX aus den 50ern auf Ilford Multigrade vergrößert.

Das hatte ich relativ erledigt als ich fürs Studium weggezogen bin. Für ein Vergrößerungslabor hatte ich bisher die falschen Wohnungen. Farbfilm und Filmscanner wurden meine besten Freunde, konnte ich doch einfach in der Drogerie den Film abholen, scannen und alles war prima. Abgesehen von den regelmäßig zerkratzen und zerschnittenen Negativen… Und wenn ich dann doch mal was in schwarzweiß haben wollte, dann wandelte ich es eben um. Ist also eh alles Hybrid, was soll’s dann?
Dann juckte es mir in den Fingern, ich kam günstig an einen Filmprozessor und nun entwickel ich Farbe seit zwei Jahren selber.

Schwarzweiß behandelte ich da immer noch sehr stiefmütterlich. Diverse (Facebook-)Gruppen stellen das ganze Thema schwarzweiß so ein bisschen wie Raketenwissenschaften dar, das Motiv bleibt dabei öfters – meiner Meinung nach – auf der Strecke.
Für mich ist das ein Zeitvertreib, bei dem ich nicht alles zerdenken will, sondern einfach machen. Was Nettes rauskriegen, sich daran erfreuen.

Dass ich mich wieder mehr dem schwarzweißen widmen möchte, kam durch die wunderbaren Waldfotos, die ich bei flickr entdeckt habe. Leider ist der User, Loïc Lambour, im Zuge der Pro-Mitgliedschaft gegangen.. aber hier ein Link zu seiner Webseite. Bei Instagram ist er auch anzutreffen. Er fotografiert analog fast ausschließlich mit Agfa APX und entwickelt in Caffenol.
Caffenol, ein Entwickler, den ich bereits mehrmals genutzt habe. Er ist recht umweltfreundlich und besteht in seiner Grundformel aus Instantkaffee, Waschsoda und Vitamin C.
So kaufte ich mir vor ein paar Monaten mir voller Enthusiasmus ein paar Agfa APX 100, um die Kombination zu testen.
Zurück zu den Wurzeln (allen Übels).

Da erinnerte ich mich, dass ich einen APX seit längerer Zeit (vor dem Kaufrausch) in meiner Yashica T3 geladen hatte.
Wie lange war mir nicht mehr bewusst, weil ich keinerlei Buch darüber führe, wann und ich was in welche Kamera geladen und wo ich was fotografiert habe. Sehr sinvoll, ich weiß. Ich behaupte einfach mal, dass es mein Gedächtnis trainiert… Warum ich überhaupt diesen Film geladen habe, weiß ich natürlich auch nicht mehr.
Es war ein großes Glück, dass ich diesen November bei einem Kurzbesuch @coffeepyros in Leipzig die Kamera dabei hatte und den Film endlich vollbekommen habe. Gute Bilder garantiert die T3 immer.

Ich wollte den APX natürlich unbedingt in Caffenol entwickeln, auch als Test für die zukünftige Verwendung für Waldfotos uvm. und suchte mir als Rezept die Variante Caffenol-C-L raus. Es handelt sich um eine Standentwicklung bei der – gegenüber dem klassischen Caffenol-C – die Menge an Waschsoda und Vitamin C reduziert und Kaliumbromid hinzugefügt. Um mein ökologisches Gewissen nicht in weitere Konflikte zu stürzen, ersetzte ich das Kaliumbromid durch iodiertes Speisesalz, das soll angeblich genau so gut funktionieren und danach kann die Suppe ins Klo.

60 Minuten später nach Stoppen, Fixieren und Wässern: Den Moment, wenn man nach dem ganzen Prozedere die Dose öffnet, hasse ich. Es sollte alles gut gegangen sein, aber vielleicht war doch was nicht in Ordnung und du hast einen ganzen Film runiert…

Es ging alles gut und ich war überaus positiv überrascht und zugleich etwas schockiert: Der Film war dreieinhalb Jahre in der Kamera! Dreieinhalb Jahre habe ich meine geliebte T3 mit einem Film okkupiert, den ich unterbewusst nur gegen meinen Willen gefüllt habe.

So im Ganzen gesehen, ein Ticken überbelichtet, würde ich behaupten. Beim nächsten Mal, werde ich den Film 5 bis 10 Minuten eher aus der Brühe holen.

Neue Herausforderung: Schwarz-Weiß Denken

Nicht jedes Motiv wirkt in schwarzweiß. Aber wie oft mache ich schon jetzt kein Foto, weil ich weiß, dass es nichts aussehen wird?
Farbfilter, die ich mit diversen Konvoluten erworben habe, möchte ich zukünftig auch mehr nutzen.
Und mit etwas Glück, gibt es hier und/oder auf meinen sozialen Kanälen zukünftig mehr Ergebnisse zu sehen. :)


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Ein Gedanke zu “Monochrome Farbstiche

  • Oliver

    Hab Deine Seite bei der Recherche über die 635 entdeckt. Sehr schöne Bilder, schön geschrieben. Sehe viele Parallelen, nicht nur bei den Yashicas :P Mach weiter so!

    Grüße in den Norden aus dem Süden ;-)