Das Gewöhnliche entdecken


Ich hatte diese Woche gleich zweimal die Chance Wälder zu besuchen. Mir gibt so ein Waldbesuch einen richtigen Energieschub und abends falle ich todmüde ins Bett, weil mein Hirn mit Input geflutet wird. Darunter viele botanische Namen und zig Fakten, die aus den verstaubten Ecken zum Vorschein kommen. :)

Eine Pflanze, die ich sehr gerne mag, ist der Waldsauerklee (Oxalis acetosella). Trotz seiner Kleeblätter ist er nicht näher mit dem „normalen“ Klee verwandt, sondern gehört zur Familie der Sauerkleegewächse.
Man trifft ihn auf sauren und etwas feuchteren Standorten an. Ein guter Tipp, falls ihr ihn nicht kennt, aber mal finden wollt, ist sich in Nadelwäldern umzuschauen. Durch die Nadelstreu (also abgeworfene Nadeln auf dem Waldboden) ist der Oberboden versauert und der Sauerklee auch nicht weit. :) Ob er jetzt Sauerklee heißt, weil er es sauer mag, oder weil seine Blätter durch die Oxalsäure wie grüner Apfel sauer schmecken, das weiß ich nicht. Es passt aber beides sehr gut!

Die Blüten sind schön weiß und leicht lila bis rosa geadert. Selten ist er eigentlich nicht und ein zwei Blätter kann man da auch ohne Probleme naschen. Aber auch hier macht die Dosis das Gift!

Neben den krautigen Pflanzen fangen nun auch langsam die Bäume an auszuschlagen.
Die Blätter der Lärchen sind erst wenige Tage alt und noch ganz weich. Sie werfen im Herbst als einzige heimische Nadelbaumart ihre Nadeln ab. Ihre urprüngliche Heimat ist das Gebirge, wahrscheinlich verlieren sie ihre Blätter um dort die strengen Winter durchzustehen und Wasser zu sparen.

Noch ein schöner Aspekt im Frühling, den viele – selbst Naturfotografen – übersehen: Die ersten Lebenstage von Bäumen. Keimlinge, die sich frisch aus ihren Samen befreit haben und sich nun in der harten Natur beweisen müssen.
Die ersten Blätter des Pflanzenembryos, die sich beim Keimen entfalten und schnell Energie durch Photosynthese betreiben müssen, nennen sich Keimblätter oder wissenschaftlich Kotyledonen. Sie sehen oft sehr anders aus als die Blätter, die später wachsen. Man kann aber auch an ihnen die ganz jungen Bäume erkennen.

Das hier wird – wenn alles gut geht – eine stattliche Rotbuche (Fagus sylvatica). Sie kann über 30m hoch werden und Durchmessser um die 2m erreichen. Dafür braucht es aber noch über hundert Jahre.Im Wald gehen mir die Motive nie aus! :)
Ich kann nur empfehlen die Natur der eigenen Umgebung besser schätzen und ihre Besonderheiten kennen zu lernen. Es müssen keine sonst wie seltenen Orchideen, Kuhschellen oder Schachbrettblumen sein. Die Bilder sehe ich (leider) gerade wieder zuhauf im Internet. Geht in den nächsten Wald und entdeckt das „Gewöhnliche“! :D


Eine Anmerkung zu den Bildern

Alle Bilder sind mit meiner alten 350D und dem Makro Tamron 90mm 2,8 VC entstanden.

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