Analog mit.. Olympus Trip 35


Mir sind verschiedene Kriterien bei einer Kamera wichtig, die sie für mich irgendwann so interessant machen, sodass ich kaum noch widerstehen sie mir über eines der diversen Internetportale zu besorgen. Dazu zählen:

  • Technische Daten (z.B. Objektiv, Offenblende, Belichtungsmessung, Belichtungszeiten)
  • Design
  • geschichtliche Aspekte, die sie womöglich zu einem Meilenstein in der Kameraentwicklung machen
  • Bedienung
  • sowie die Möglichkeit sie im Notfall mit wenig Aufwand selbst zu reparieren
  • und natürlich die Resultate! ;)

Die Olympus Trip 35 ist ein Modell, das doch viele der genannten Aspekte in der ein oder anderen Form erfüllt. Einfach eine Kamera, an der ich einen Narren gefressen habe.

Die wichtigsten technischen Daten

  • Objektiv: D-Zuiko 1:2,8/40mm, vier Linsen in drei Gruppen
  • Scharfstellung: 4 Einstellzonen, Markierungen in m und Feet
  • Programm-Zentralverschluss mit 1/40 und 1/200, manuell mit 1/40
  • Belichtungsvollautomatik mit Selen-Belichtungsmesser (keine Batterien)
  • automatische Auslösesperre (roter Indikator) bei unzureichendem Licht
  • Naheinstellgrenze: 0,9m
  • Blenden: 2,8 bis 22
  • ASA-Einstellbereich: 25 bis 400
  • Filtergewinde: 43,5mm
  • Abmessungen: 116 x 57 x 70mm
  • Gewicht: 410g
  • Listenpreis: ???
  • Preis (2015): ~20€

Design und Geschichte

Sie kam 1968 auf dem Markt und wurde 20 Jahre gebaut. Für Entwicklung und Design war zu dieser Zeit Yoshihisa Maitani verantwortlich, der Olympus mit Modellreihen wie OM, 35, Pen und XA zu einem bis heute anhaltenden guten Ruf verholfen hat.
Die Trip ähnelt dabei sehr der Pen-Reihe mit festem Objektiv, teilt sie sich doch viele gleiche oder sehr ähnliche Elemente, wie Belederungsmaterial, Zählwerk (je nach Modell), Auslöseknopf, Daumenrad für den Filmtransport und den Belichtungsmesser mit dieser. Der große Unterschied: Wie die 35 vermuten lässt, sie belichtet im Kleinbildformat, gegenüber der Pen-Reihe mit Halbformat.
Ich finde, sie ist eine sehr ansehnliche Kamera mit unaufgeregtem, klassischem Design.

Der Name „Trip“ leitet sich aus dem erdachten Aufgabenbereich der Kamera ab: Reisefotografie. Schnelle Aufnahmen, Erkunden von Orten, bei denen eine Ersatzbatterie nicht greifbar ist. Deswegen wurde sie mit einer Selenzelle ausgestattet. Der Widerstand vom Selenmaterial ist lichtabhängig und ermöglicht so eine relativ genaue Belichtung.

Bedienung

Kinderleicht! Die Filmempfindlichkeit einstellen, auf Automatik einstellen, die Entfernung mit Hilfe der Piktogramme schätzen und abdrücken. Bei zu wenig Licht ist das Auslösen automatisch blockiert.

Schwachstellen und Reparatur

Da ich bereits mehrere Trips bis zur Unkenntlichkeit zerlegt und wieder flottgemacht habe, habe ich damit schon einiges an Erfahrung gemacht.
Die Hauptschwachstellen sind – wie so oft bei Kameras, die über 30 Jahre alt sind – verharzte Blenden und/oder Verschluss sowie marode Lichtdichtungen. Der Belichtungsmesser hat bis jetzt bei jeder ohne Probleme funktioniert und dass trotz der eigentlich auftretenden Abstumpfung der Selenzelle.
Hat man die Möglichkeit eine Trip 35 vor dem Kauf in die Hand zu nehmen, gibt es zwei einfache Tests, die einem die Problemstellen aufzeigen können:

  1. Von automatischer Belichtung auf Blende 2,8 umstellen und beim Drücken des Auslösers in das Objektiv schauen. Die Blende muss sich erst komplett öffnen und die Kamera dann auslösen. Dabei auch den Verschluss beobachten, ob er sich mit etwa 1/40 öffnet und schließt.
  2. Um den Belichtungsmesser zu testen, einfach im Automatik-Modus die Hand vor das Objektiv halten, es muss ein roter Indikator im Sucher erscheinen, die Kamera darf nicht auslösen.

Zerlegungsanleitungen für Blende und Verschluss finden sich leicht im englischsprachigen Internet. Neben dem nötigen Mut ist auch ein bisschen Werkzeug und Reinigungsmaterial nötig.
Sollte der Belichtungsmesser nicht mehr funktionieren, kann das auch manchmal an einem verdreckten Kamerainnenleben liegen, vielleicht auch an einem Kabelbruch. Die Selenzelle wechseln wird nur möglich sein, indem man sich eine zweite Trip ausschlachtet.

Aus einem Wahn heraus habe ich mir nach und nach funktionsuntüchtige Trips besorgt, die ich nun in liebevoller Handarbeit restauriere. Ausgestattet mit neuen Lichtdichtungen und echtem Leder, beides aus Japan, hoffe ich, dass sie neue Besitzer finden, die sie schätzen und benutzen. :)

Bilder

Hier sind einige Bilder von meinem ersten Film mit der Trip 35 zu sehen. Die Linse liefert sehr scharfe Ergebnisse und das bis in die Ecken. Die Scharfeinstellung klappte auch erstaunlich gut. Man kann ohne Probleme 1/40 aus der Hand fotografieren.

Fazit

Ich liebe diese Kamera einfach! Sie ist eine Augenweide, schnell und einfach zu bedienen und macht gute Bilder. Mit einem gewissen Sachverstand kann man sie auch gut wieder in die Gänge kriegen. Wer sich das nicht zutraut, kann sich gerne an mich wenden. Zudem habe ich meistens restaurierte Trips auf Lager. ;)


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